Veranstaltung
Totgesagte leben länger - Die Kundenanlage im Lichte neuer EU-Vorgaben
Termin
24.11.2026, 09:30 - 12:30 Uhr
Ort
online
Preis pro Person (zzgl. USt.)
€ 470,00
Ermäßigt: € 420,00

Der ermäßigte Preis gilt ausschließlich für die Mitglieder unserer Arbeitskreise, also des AK REGTP, des AK Arealnetz sowie der Norddeutschen Allianz und wird automatisch berücksichtigt.
Veranstalter
Becker Büttner Held PartGmbB
Beschreibung

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für dezentrale Stromversorgungskonzepte befinden sich weiterhin im Umbruch. Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) die deutsche Sonderregelung zur Kundenanlage für unionsrechtswidrig erklärt und der Bundesgerichtshof (BGH) diese Rechtsprechung im Mai 2025 bestätigt hatte, schien das bisherige Modell der weitgehend unregulierten Kundenanlage vor dem Aus zu stehen. Der deutsche Gesetzgeber reagierte mit einer Übergangsregelung, die für bestehende Kundenanlagen einen Bestandsschutz bis zum 31. Dezember 2028 vorsieht. Welche regulatorischen Anforderungen danach gelten werden, ist jedoch weiterhin offen.

Neue Entwicklungen auf europäischer Ebene könnten nun zusätzliche Perspektiven für dezentrale Versorgungskonzepte eröffnen. Dabei rücken insbesondere die Direktleitung als mögliche Alternative zur bisherigen Kundenanlage und die geplante Neuregelung des europäischen Elektrizitätsbinnenmarktrechts in den Mittelpunkt.

Die Direktleitung als neue Gestaltungsoption

Mit Urteil vom 17. September 2026 in den verbundenen Rechtssachen C-722/24 ("Elektro bizness") und C-756/24 ("Jelgavas autobusu parks") hat der EuGH den unionsrechtlichen Begriff der Direktleitung konkretisiert. Danach setzt eine Direktleitung nicht voraus, dass der angeschlossene Letztverbraucher vollständig vom öffentlichen Verteilernetz getrennt ist. Ein bestehender Netzanschluss steht einer Direktleitung grundsätzlich nicht entgegen, sofern die Aufgaben des Verteilernetzbetreibers nicht beeinträchtigt werden. Zugleich stellt der EuGH klar, dass die Direktleitung eine reguläre Alternative zur Versorgung über das öffentliche Netz darstellt und nicht auf Ausnahmefälle beschränkt ist.

Damit könnte die Direktleitung für bestimmte dezentrale Versorgungskonzepte eine bislang wenig beachtete Gestaltungsoption darstellen. Allerdings bleiben wesentliche Abgrenzungsfragen offen.

Neue Perspektiven für die Kundenanlage durch das European Grids Package?

Parallel dazu nimmt die europäische Gesetzgebung zur Zukunft dezentraler Versorgungsstrukturen weiter Gestalt an. Im Rahmen des European Grids Package wird derzeit über eine Anpassung der EU-Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie verhandelt. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, unter welchen Voraussetzungen kleinere und geschlossene Stromverteilstrukturen künftig von der umfassenden Regulierung als Verteilernetz ausgenommen werden können.

Die bislang diskutierten Ansätze werfen erhebliche Fragen für die Praxis auf. Insbesondere für Industrieparks, Co-Location-Konzepte und andere komplexe Versorgungsstrukturen bleibt ungewiss, unter welchen Voraussetzungen künftig ein regulierungsfreier Betrieb möglich sein wird. Eine politische Einigung wird noch für dieses Jahr angestrebt.

Was bedeuten diese Entwicklungen für die Praxis?

Für Betreiber bestehender Kundenanlagen, Projektentwickler und Netzbetreiber ergeben sich aus diesen Entwicklungen neue rechtliche und wirtschaftliche Fragestellungen. Neben der Fortführung bestehender Versorgungskonzepte sind insbesondere alternative Betriebsmodelle und die mögliche Umgestaltung von Leitungsstrukturen als Direktleitung zu prüfen.

Besondere Herausforderungen stellen sich bei Arealen, in denen Strom- und Wärmeversorgung miteinander verknüpft sind. Hier können Änderungen der elektrizitätsrechtlichen Einordnung unmittelbare Auswirkungen auf bestehende Vertragsstrukturen, Geschäftsmodelle und Haftungsrisiken haben.

In unserem dreistündigen Webinar erläutern wir die aktuelle Rechtsprechung und die europäischen Gesetzgebungsvorhaben, ordnen deren Auswirkungen auf bestehende und geplante Versorgungskonzepte ein und zeigen auf, welche rechtlichen und wirtschaftlichen Handlungsoptionen sich hieraus ergeben.

Im Mittelpunkt stehen insbesondere folgende Themen:

  • Rechtlicher Ausgangspunkt: EuGH-Entscheidung zur Kundenanlage und Reaktion des deutschen Gesetzgebers
  • Direktleitung als Gestaltungsoption: Neue EuGH-Rechtsprechung, Verhältnis zum öffentlichen Netzanschluss, mögliche finanzielle Verpflichtungen und Übertragbarkeit auf bestehende Versorgungskonzepte
  • Legislative Entwicklungen: European Grids Package, Trilog und die unterschiedlichen Regelungsansätze von Rat und Europäischem Parlament
  • Ausblick: regulatorische Entwicklungen in Deutschland
  • Pflichtenregime: Anforderungen an Betreiber bislang nicht regulierter Infrastrukturen und Netzbetreiber
  • Strategische Handlungsoptionen: Weiterbetrieb, Übernahme der Netzbetreibereigenschaft, Verpachtung oder Auslagerung des Netzbetriebs
  • Strom und Wärme im Gleichlauf: Besondere rechtliche und wirtschaftliche Herausforderungen hybrider Versorgungskonzepte
  • Haftungs- und Wirtschaftlichkeitsrisiken: Identifikation und Bewertung wesentlicher Risiken für bestehende Geschäftsmodelle

Ziel des Webinars ist es, Ihnen eine belastbare Entscheidungsgrundlage für die kommenden Jahre zu vermitteln und aufzuzeigen, welche rechtlichen, regulatorischen und wirtschaftlichen Weichen bereits heute gestellt werden sollten.

Das Webinar richtet sich insbesondere an Betreiber bislang nicht regulierter elektrischer Infrastrukturen, Betreiber von Industrie- und Gewerbearealen, Projektentwickler sowie Betreiber öffentlicher Versorgungsnetze. Die detaillierte inhaltliche Ausgestaltung der Veranstaltung entnehmen Sie bitte der beigefügten Agenda.